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Salzburg - Eine Stadt zum Altwerden

Von Köln nach Wien, von Wien nach Berlin, von Berlin nach Salzburg. Ich habe bisher in einigen Städten gewohnt, wenn auch nur für kurze Zeit, und hätte nie gedacht, dass mir das kleine Salzburg einmal so gefallen würde. Denn ich habe eine Weile gebraucht, um mich an die geringe Anzahl von 152.000 Einwohnern zu gewöhnen, die sich bis hin zu den grünen Weiden verteilen. In Österreich ist es die viertgrößte Stadt, doch verglichen mit Deutschland hat selbst Wuppertal deutlich mehr Einwohner. Anfangs wusste ich nicht, ob Salzburg ein riesiges Dorf ist oder schon eine Stadt. Heute, nach fast zwei Jahren, schätze ich genau diese Größe, auch wenn sich daraus einige Defizite für junge Menschen ergeben. Und jedes Mal, wenn ich durch die Altstadt schlendere, denke ich mir: „Ach liebes Salzburg, zum Altwerden komme ich wieder.“

Im Schutz der Berge

Für mich persönlich ist das Besonderste an Salzburg die Kombination aus einer süßen, wunderschönen Altstadt und der gewaltigen Natur drumherum. Egal wo man in Salzburg hinschaut, man ist umgeben von hohen Bergen und allen Nuancen der Farbe Grün. Der Untersberg, ein 1973 m hohes Massiv der Berchtesgadener Alpen, ist für die Salzburger der wohl wichtigste Berg in der Umgebung. Er ist der Beschützer, über den es so viele Mythen und Erzählungen gibt, und wo auch immer man sich gerade in Salzburg befindet, der Untersberg ragt immer heraus. Am schönsten erstrahlt die malerische Landschaft, wenn der Himmel klar und blau ist und die Sonne auf Salzburg herunterscheint. Selten habe ich so kräftige Farben gesehen, die das Panorama mit seinen grünen Wiesen fast unecht wirken lassen.

Von der Alm in die Stadt

In Salzburg gibt es die bekannte Linzer Gasse, die bei Touristen wahrscheinlich zweitbeliebteste Gasse nach der Getreidegasse. Hier kann man in liebevoll restaurierten, historischen Bürgerhäusern einkaufen oder essen gehen. Am Ende der Linzer Gasse sieht man in der Ferne schon grüne Hügel, in denen einzelne Bauernhöfe liegen. Im Winter, wenn der Schnee in der Stadt schon abgetaut ist, die Landschaft am Horizont aber noch weiß ist, fallen sie noch mehr auf. Von der Stadt aus das Dorfleben beobachten zu können war für mich am Anfang einer der schrägsten Eindrücke von Salzburg. Leider sagt dieses Phänomen viel über Salzburg aus, denn vor allem für junge Menschen ist das Angebot sehr begrenzt. Wer gern abends in Bars sitzt oder tanzen gehen möchte, findet hier nur wenige gute Locations. Aber damit kann man gut leben, wenn man sich darauf einlässt, sich den Umständen anpasst und seine Lieblingsorte findet. Für mich ist es mittlerweile sogar eine Entlastung, keine große Wahl zu haben.

Die öffentlichen Verkehrsmittel sind nicht ideal, denn man kommt mit dem Bus von A nach B, der ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr fährt. Die Bahn zu meiner FH kommt auch nur zweimal in der Stunde. Ich glaube, ich habe noch nie so viel Geld für Taxis ausgegeben.

Das eigentliche Problem an Salzburg für junge Menschen ist jedoch, dass es von älteren, konservativen Menschen regiert wird, die kein großes Interesse daran haben, die Stadt für junge Menschen attraktiver zu machen. Sicher hat auch der Riese Red Bull, der hier seinen Hauptsitz hat, politisch einiges zu sagen. Und auch wenn es immer wieder junge Kollektive gibt, die sich im Kultursektor Veränderungen und mehr Offenheit wünschen, ist es schwer für sie, mit ihren Ideen durchzukommen. Auf der anderen Seite sehe ich wiederum das Potential, dass Salzburg das nötige Geld hätte und aufgrund seiner nicht vorhandenen Größe gerade jungen Künstler:innen gute Möglichkeiten bietet, in der Stadt aufzufallen und neuen Input zu liefern. 

Alle Jahre wieder

So schön sauber und perfekt die Stadt immer wirkt, es kommt eine Zeit im Jahr, die Salzburgs Schönheit trübt: die Touristensaison. Bald ist es wieder so weit, und die kleinen Gassen füllen sich mit Selfie-Sticks. Auch wenn seit der Pandemie deutlich weniger asiatische Touristen anreisen, erkennt man die Welle doch während der Salzburger Festspiele. Es ist eine sehr anstrengende Zeit, die das sonst so ruhige, gemütliche Flair der Stadt verändert. Zum Glück ist Salzburg umgeben von mehreren Seen mit klarem, türkisfarbenem Wasser, die einem im Sommer das Gefühl geben, am Gardasee zu sein. 

Ab in den Ruhestand

Ruhe und Gelassenheit. Angebote sind da, aber nicht zu viele. Eine schöne überteuerte Immobilie? Kein Problem. Wie oft habe ich mir schon gedacht, was zur Hölle denkt ihr eigentlich, wer ihr seid? Das Essen ist teuer, aber nicht hervorragend. Für den Preis der Wohnungen und Häuser würde man in anderen Städten deutlich mehr bekommen. Das Essen kauft man lieber jenseits der Grenze in Freilassing, und der Studentenrabatt von einem Euro erleichtert einem das Leben auch nicht. Rechtzeitig einkaufen zu gehen zahlt sich aus, denn spätestens um 19 Uhr ist Schluss. Wenn man es nicht geschafft hat, noch schnell zum Kiosk? Das kennen die Österreicher gar nicht. Hier muss man gut vorbereitet sein! Und eben wohlhabend.

Salzburg ist einfach eine Stadt für Menschen, die ihr Leben lang gut verdient haben und sich dann in der Rente ausruhen können. Mal ein Käffchen mit Barbara, ein Bierchen im Wirtshaus mit Franz, eine Wandertour mit Elisabeth und Maria. Man trifft ja sowieso ständig jemanden, den man kennt. So ist das schöne, gemütliche Leben in Salzburg. Doch der Wunsch nach Veränderung ist da, und ich kann mir gut vorstellen, dass sich noch einiges in der Stadt bewegen wird.

Ich bin der Meinung, dass Salzburg immer einen Besuch wert ist und die Schönheit der Altstadt und der Natur jeder Seele gut tut. Es ist die perfekte Mischung aus Stadt, Bergen und Seen, und alle, die einen vielseitigen Urlaub nicht weit von Deutschland mögen, finden den Weg hierher. 

 

Text: Janika Hampl

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