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IHR LANDSTYLE MAGAZIN


GALERIE INCONTRO

30 Jahre Begegnung mit der Kunst

 

Den Namen „Galerie Incontro“ hat Carmen Clea Vetere nicht zufällig gewählt. „Incontro“ heißt auf Deutsch „Treffpunkt, Begegnung“ und so war die Galerie von Anfang an gedacht: als Begegnungsstätte für Ausstellungen, Diskussionsrunden, Bücherlesungen, Konzerte. In erster Linie war und blieb sie aber eine Galerie. In diesem Frühjahr kann die Galeristin auf ganze 30 Jahre zurückblicken und das feiert sie mit einer Jubiläumsausstellung. Vom 2. Mai bis 27. Juni zeigt sie Arbeiten von neun KünstlerInnen, zudem bittet an jedem Sonntag ein Künstler zum Künstlergespräch.

„Über Kunst zu sprechen ist für mich das Normalste auf der Welt“, sagt Carmen Vetere. „Ich bin mit Künstlern aufgewachsen und habe ein Gespür für sie und ihre Arbeit entwickelt. Ich bin Vermittlerin, das Bindeglied zwischen Künstlern und Gesellschaft, und versuche zu erklären, was sie machen und warum. Dabei bemühe ich mich immer, die Hemmungen abzubauen, die manche Galeriebesucher haben.“

Das zeigt sie eindrucksvoll auf ihrem neuen Youtube-Kanal mit der Videoreihe „CARMEN VETERE stellt vor...“, in der sie Künstler in ihren Ateliers besucht und kurze persönliche Geschichten über sie erzählt, die sich hinter ihrer Arbeit verstecken. Ihre Präsenz in den sozialen Medien kommt sehr gut an – so konnte sie in diesem Jahr an mehrere Leute verkaufen, die noch nie eine Galerie betreten oder ein Bild gekauft haben. Es sind ihre sympathische und mitnichten abgehobene Art der Kommunikation und ihr Spaß an der Arbeit, die Carmen Vetere authentisch machen. 

Frau Vetere, bei einem Jubiläum blickt man unweigerlich zurück. Hat sich Ihre Arbeit in den 30 Jahren sehr verändert?

Es hat sich vieles geändert, vor allem die Erreichbarkeit. Ich habe noch ohne E-Mail-Adresse  angefangen und meine Einladungskarten mit Papier und Schere entworfen, bevor ich sie in die Druckerei gebracht habe. Früher habe ich neue Kunden vor allem bei Messen gewonnen. Und eine Vernissage war noch ein richtiges gesellschaftliches Ereignis. Das ist heute anders. Heute bin ich immer auf dem Sprung, auch am Sonntag. Galeristin ist kein Beruf mit regelmäßigen Arbeitszeiten – ich muss dann Zeit haben, wenn die Kunden Zeit haben.

Corona wiederum brachte ganz andere Veränderung mit sich: Die klassischen Wochenendtrips fielen weg; die Leute schauen wieder mehr, was es vor Ort gibt. Sie gehen konzentrierter vor – es kommen nur Interessierte, die die Sachen wirklich sehen wollen. Im letzten Sommer hatten wir viele Besucher, die zum ersten Mal bei uns waren. Jeder kann zu uns kommen, sich alles anschauen, sich Dinge erklären und beraten lassen – einfach umsonst eine schöne Ausstellung besichtigen.

Es gelingt Ihnen offenbar spielend, immer neue Menschen für Kunst zu begeistern. 

Ich finde es schön, Menschen an Kunst heranzuführen und ihr das Elitäre zu nehmen. Ich versuche immer, für jedes Budget etwas da zu haben. Damit sich jeder Kunst leisten kann. Wir haben hier im Haus viel für die Vermittlung getan: Schulen eingeladen, öffentliche Veranstaltungen und Aktionen organisiert. Damit hat schon mein Vater angefangen und ich habe es von ihm übernommen. Ich finde es wichtig, dass Kultur auch zu den Menschen gelangt, die bisher keinen Zugang zu ihr hatten. 

Mit vielen Künstlern arbeiten Sie schon über lange Jahre zusammen, mit einigen seit über 20 Jahren. Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für die Zusammenarbeit mit einem Künstler?

Nach meinem eigenen Qualitäts-kriterien. Ganz wichtig ist für mich die Authentizität des Künstlers. Deswegen möchte ich sein Atelier besuchen und sehen, wie er arbeitet und lebt. 

Es gibt jede Menge Leute, die gut zeichnen und malen können und denen drei gute Bilder gelingen, aber das genügt mir nicht, das hat mit Kunst nichts zu tun. Authentisch heißt, dass die Geschichten, die jemand in seinen Bildern erzählt, zu ihm passen. Dass er sie auch lebt. Ich sehe ganz unterschiedliche Ateliers, von super ordentlich bis chaotisch. Und ebenso unterschiedlich sind auch die Künstler. Sie müssen zu ihrem Werk passen, es darf weder aufgesetzt sein, noch ein Marketinggag. Außerdem muss ich die Arbeiten gut finden, sie müssen mich gefühlsmäßig ansprechen. 

Es gibt auch Dinge, die mir nicht gefallen, die ich aber trotzdem für gute Kunst halte. Dafür sind dann andere Galerien zuständig.

Wie haben Sie sich dazu entschieden, Galeristin zu werden?

Ich bin sozusagen auf Messen großgeworden, weil mich meine Eltern immer mitgenommen haben.  Mit 15 habe ich das erste Bild verkauft. Mit 17, 18 habe ich gemerkt, dass ich Spaß am Verkaufen habe. Ich rede gern über Kunst und erkläre sie gerne, aber das allein reicht nicht. Und hier im Haus hatte ich die Möglichkeit, ohne finanziellen Druck anzufangen. Ich konnte es einfach ausprobieren, während ich gleichzeitig Kunstwissenschaft studiert habe. Ich glaube schon, dass ein Galerist auch kreativ sein sollte; ich mache mir eine Menge Gedanken über die Ausstellungen. Wie ein Kurator entwickle ich Ideen zu der Kunst anderer, denn Künstler können sich nicht unbedingt gut darstellen. 

Hat sich die Rolle der Galerie in Bezug auf die Künstler verändert?

Auf jeden Fall. Künstler wurden früher nur durch die Galerie vertreten, heute haben sie viel mehr eigene Kanäle, um sich zu promoten. Wenn ich mit Profis arbeite, zu denen ich Vertrauen habe, bewerben wir uns gegenseitig.

Ich bin eine Handschlag-Geschäftsfrau. Bei einem Galeristen ist Seriosität sehr wichtig. Ich bin im Bundesverband der Deutschen Galerien und dadurch immer über Regeln, Gesetze, Verwaltung usw. informiert, um für seriöse Abläufe zu sorgen. Das gibt den Kunden eine gewisse Garantie.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am besten? 

Es ist ein großes Geschenk, in meinem Beruf mit vielen interessanten Leuten aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzukommen, nicht zuletzt mit den Künstlern. So entstehen langjährige Beziehungen und Freundschaften. 

 

www.galerie-incontro.de

 

IText: Drahomira Hampl

IFotos: Galerie Incontro

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