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IHR LANDSTYLE MAGAZIN


KAMBODSCHA

Ich habe Fernweh. Da aktuell aufgrund der Corona-Pandemie keine Reisen möglich sind, möchte ich meine Erinnerungen an eine vergangene Reise mit Ihnen teilen. Eine Reise in eine völlig fremde Kultur, eine Reise in ein Land, in dem der Mond auf der Seite liegt, eine Reise in eine paradiesisch andere Welt.

Phnom Penh
Hier beginnt unsere Reise durch das Land und hier wird sie vier Wochen später auch wieder enden. Die Hauptstadt ist bekannt für ihr geschäftiges Treiben. Sie ist bunt und voller Leben. Während tagsüber kein Vorankommen oder gar ein Überqueren der Straßen im dichten Verkehr der
2,8 Millionen Metropole möglich zu sein scheint, blinken abends die Lichter. Aus den Bars tönt laute Musik, viele fröhliche Menschen sind unterwegs in der Stadt, die nie schläft. Überall gibt es etwas zu sehen. Ungewohnt turbulent geht es auf den riesigen Märkten zu. An jedem Stand handeln und feilschen Menschen. Das Fortbewegungsmittel der ersten Wahl ist das „TukTuk“, eine motorisierte Rikscha. Wir fühlen uns fremd und müssen uns erst einmal an die Gepflogenheiten gewöhnen. Gewöhnungsbedürftig ist, dass es zwei Währungen gibt: US-Dollar und Riel. Man kann mit beiden Währungen zahlen, manchmal bekommt man einen Teil in Dollar und den anderen Teil in Riel zurück.

Kampong Cham
Unser Weg führt uns mit dem Bus in die Region Kampong Cham. Eine besondere Attraktion hier ist eine Brücke, die komplett aus Bambus gebaut ist. Während der Regenzeit wird sie überflutet und zerstört und am Ende der Regenzeit wieder neu gebaut. Jahr für Jahr, Bambusstrang um Bambusstrang. Früher konnte man die Brücke mit Autos passieren, inzwischen ist sie nur noch für Fußgänger und Radfahrer. Die Gegend hat noch mehr zu bieten: Neben einer Vielzahl von teilweise verfallenden Tempelanlagen gibt es einen alten Flughafen mit Schießturm. Schon jetzt stellen wir fest, dass Relikte aus dem Krieg in Kambodscha allgegenwärtig sind und zum Landschaftsbild dazu gehören.

Mondulkiri
Die Region ist noch eher ursprünglich und vom Tourismus vergleichsweise wenig erschlossen. Wir haben hier eine phänomenale Unterkunft gefunden, die Nature Lodge. Dem Namen entsprechend sind die rustikalen Bungalows komplett aus recyceltem Holz gebaut. Im eigenen Restaurant wird wert auf ökologische Aspekte und Regionalität gelegt. Durch die Landschaft Mondulkiris ziehen sich endlose rote Sandpisten, die wir mit einem Motorroller zu bezwingen versuchen, so wird der Weg zum Bou Sra Wasserfall zum unvergesslichen Abenteuer. Der Anblick des größten Wasserfalls Kambodschas ist atemberaubend schön: Zwei Kaskaden stürzen hier eindrucksvoll 15 und 25 Meter in die Tiefe.

Stung Treng
Durch einen Zufall entdecken wir das Mekong Bird Resort, eine Ferienanlage am Mekong außerhalb der Stadt. Nach circa 20 Minuten Fahrt stellen wir fest, dass die riesige und wunderschöne Anlage aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Der Hotelmanager bietet uns trotzdem eine traumhafte Hütte mit einem einzigartigen Blick auf den Mekong an. Die Gastfreundschaft überwältigt uns: Wir genießen einen exklusiven und sehr zuvorkommenden Service. Besonders in Erinnerung bleibt eine Kajak-Tour durch die Mangrovenwälder, die wir mit dem Hotelmanager unternommen haben. Wir genießen den Aufenthalt hier sehr, der eine angenehme Abwechslung zu den sonst eher einfachen Unterkünften ist.

Siem Reap
Die Stadt Siem Reap nehmen wir als einen kompletten Gegensatz zu den anderen Städten wahr. Sie ist westlich geprägt und hat ein sehr buntes Nachtleben. Auch diese Stadt scheint niemals zu schlafen. Der Old Market ist größtenteils überdacht und definitiv einen Besuch wert. Hier bekommt man wirklich alles: Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Kleidung, Uhren, Schmuck, Kunsthandwerk, offensichtlich gefälschte „Markenprodukte“ und wunderschöne Stoffe. Überall entdecken wir Dinge, die wir so noch nie gesehen haben. Kulinarisch stehen wir des Öfteren vor Problemen: Wir essen weder Fleisch noch Fisch, mit Milch- und Eiprodukten tue ich mich auch schwer. Das selber Kochen ist in den Unterkünften weder möglich noch üblich, sodass wir immer essen gehen müssen. Die meisten Kambodschaner sprechen nur ein rudimentäres Englisch, sodass die Verständigung bei Essensbestellungen häufig zu Missverständnissen führt. Trotzdem erleben wir alle Menschen als extrem nett, hilfsbereit und zuvorkommend.

Kampot
Unser Besuch in der Region Kampot soll zu einem echten Abenteuer werden. Dort, wo der weltberühmte gleichnamige Pfeffer wächst, werden wir plötzlich krank. Hohes Fieber und Gliederschmerzen plagen uns, die Symptome kommen schubweise, sodass wir zum Glück einen Ausflug auf die Pfefferfarm unternehmen können und den wohlschmeckenden Pfeffer kosten können. Zurück in Deutschland soll sich im Tropeninstitut herausstellen, dass wir an Dengue-Fieber erkrankt waren, einer schweren Viruserkrankung, übertragen durch eine Mücke. Das Dengue-Fieber wird noch lange nach unserer Rückkehr unser Begleiter sein, sozusagen ein Souvenir aus den Tropen. Überhaupt besteht in Kambodscha ein erhöhtes Risiko der Erkrankung, zum Beispiel durch verunreinigtes Wasser und auch Malaria gibt es in einigen Gebieten.

Phnom Penh
Wir finden die Metropole genauso vor, wie wir sie verlassen haben: bunt, turbulent und irgendwie chaotisch. Aber etwas ist anders: Wir fühlen uns nicht mehr fremd. Wir haben in den letzten vier Wochen die Gepflogenheiten der Einheimischen kennengelernt und verstehen sie auf eine gewisse Art und Weise. Selbstbewusst überquere ich eine vielbefahrene Straße: Ich habe den Flow des Landes zumindest ein Stück weit begriffen. Hier geht alles seinen Gang. Irgendwie, irgendwann. Manchmal dauert es, aber es läuft schon irgendwie. Wehmütig schaue ich mich um, nehme einen letzten Atemzug, bevor ich das Flughafengebäude betrete und mich für den Check in bereit mache.

Resümee
Die Eindrücke aus dem fernen Land klingen noch lange nach. Die sympathische Lethargie der Kambodschaner war für uns zunächst befremdlich, wir haben die Gemütlichkeit im Laufe unserer Reise aber sehr zu schätzen gelernt und uns wunderbar entschleunigt gefühlt. Die Faszination der Menschen für weiße große Frauen war für mich manchmal etwas unangenehm - mit meinen für deutsche Verhältnisse moderaten 1,78 m war ich in Kambodscha eine Attraktion, was uns häufig in lustige Situationen gebracht hat. So wunderbar und besonders Land und Leute sind: Kambodscha hat auch seine Schattenseiten. Ein großes Problem des Landes ist die Korruption der Polizei und der Regierung. Schlechte Tierhaltung, Brandrodung, verschmutze Gewässer, arme Straßenhunde und Müll an jeder undenkbaren Stelle in der Natur gehören leider zum Bild des Landes. Des Weiteren gibt es in Kambodscha sehr viele Verkehrsunfälle mit Todesfolge, was auch an mangelnden Verkehrskontrollen und absolut waghalsigen Überholmanövern und überhöhter Geschwindigkeit liegt. Reisen mit Bussen war für mich der blanke Horror. Die Ausbeutung von Mensch und Natur ist ein bekanntes Problem in Kambodscha. Zum Glück schaffen Initiativen und Organisationen wie die Nature Lodge ein stärkeres Bewusstsein für den Natur- und Umweltschutz, sodass es noch Hoffnung für das Paradies in Südostasien gibt.

 

Text: Lena Albrecht
Fotos: Sebastian Hampl

 

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