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Kann die Biene ohne den Menschen überleben? 
Und andersrum?

Vor etwa einem Jahr machte ein Penny-Supermarkt in Hannover mit einer Aktion auf die Problematik des Bienensterbens aufmerksam. Über Nacht wurden alle Produkte, die es ohne Bienen nicht geben würde, aus den Regalen geräumt. Am nächsten Tag öffnete der Laden ohne Vorwarnung wie gewohnt, allerdings mit 60% weniger Produkten.
Ist die Existenz der Bienen wirklich so bedroht wie die Medien berichten? Darüber haben wir mit den Hennefer Imkern Beata und Peter Eickelmann gesprochen.

Die Imkerei Eickelmann
Es ist neun Jahre her, dass sich die Ehe-leute Eickelmann den Vortrag eines Imkers zum Thema „Zusammenhang zwischen Bienen und Umwelt“ anhörten. Danach dachten beide, warum nicht etwas für die Umwelt tun und gleichzeitig eigenen Honig herstellen? Kurz darauf kam auch schon das erste Volk von Honigbienen in den Garten, und daraus entwickelte sich die Imkerei Eickelmann mit mittlerweile 24 Völkern.
Von Anfang an war den Eickelmanns wichtig, dass die Bienen in der Nähe von Biobauernhöfen, Streuobst- und Pferdewiesen und nicht zu dicht an Straßen stehen. Sie vermeiden es, die Bienenstöcke unnötig zu öffnen, weil jedes Eingreifen für die Bewohnerinnen Stress bedeutet; regelmäßige Kontrollen sind allerdings unerlässlich. Bei der Pflege und Behandlung der Bienen legen die beiden Imker großen Wert darauf, keine chemischen Mittel, sondern in der Natur und im Honig vorkommende organische Säuren zu verwenden.

Hennefer Honig
Dank der vielfältigen Blütenpflanzen und Bäume in unserer Region sammeln die Bienen über das Jahr verschiedene Trachten: die Frühtracht (Kirsch-, Apfel- und Birnbäume) beispielsweise, die Rapstracht im Mai oder die Sommertracht. Der Imker, der den Bienen den als Wintervorrat gedachten Honig wegnimmt, ersetzt diesen meist durch Zufüttern einer Zuckerlösung. Aufgrund der reichen Springkrauttracht in unserer Gegend sammeln die Bienen nach der letzten Honigschleuderung Mitte Juli aber noch reichlich Nektar, aus dem sie Honig für den Winter herstellen. Daher muss hier im Allgemeinen weniger zugefüttert werden als anderswo.
Mit dem Honig ist es ähnlich wie mit dem Wein: Je nach Wetter, Blüten oder Jahreszeit fällt er jedes Mal anders aus, entsprechend auch seine Farbe. Das sehen die Eickelmanns als Bereicherung. Sie mischen bewusst keine Honigarten, um eine breite Auswahl unterschiedlicher Geschmackssorten zu bekommen.
Sterben die Bienen tatsächlich aus?
„Seit neun Jahren beschäftige ich mich mit den Bienen. Nach meiner Einschätzung gibt es aktuell kein Problem mit dem Bienensterben in Deutschland. Das liegt im Wesentlichen daran, dass sich die Imker um die Bienen kümmern“, erklärt uns Peter Eickelmann. „Es gibt zwar Jahre, in denen im Winter 30 bis 40% des Bienenbestands sterben, aber das gleicht der Imker aus, indem er mehr Bienenvölker nachzieht.“ Anders gesagt: Ohne Imker hätte das Bienensterben in Deutschland schon katastrophale Ausmaße angenommen. Zum Glück wächst die Zahl der Imker, wenn auch die Anzahl der Völker pro Imker leicht sinkt. „Aber die Bedrohung der Bienen ist da, und sie ist vielfältig“ sagt Peter Eickelmann. Das kann man gut bei den Wildbienen sehen. Sie überleben nicht als Volk wie die Honigbienen, sondern als einzelne Insekten. Sie sind meist nur auf eine Nahrung fixiert und wenn die nicht vorhanden ist, sterben sie. Von den 500 Wildbienenarten in Deutschland ist die Hälfte gefährdet oder bereits ausgestorben.
Der größte Feind der Honigbiene ist die Varroamilbe, die sich von Asien her ausbreitete und 1977 erstmals in Deutschland nachgewiesen wurde. Ausrotten lässt sie sich nicht, die Imker haben aber wirksame Mittel zu ihrer Bekämpfung. Ein anderer Schädling ist der kleine Beutenkäfer, der sich von Sizilien her nach Norden ausbreitete. Die eingeschleppte asiatische Hornisse fängt Bienen vor dem Stock ab und tötet sie. Verheerend ist die Wirkung von Pflanzenschutzmitteln, die auch Insekten töten. Manche von ihnen stören den Orientierungssinn der Honigbienen, so dass sie nicht mehr zu ihrem Stock zurückfinden. Monokulturen, zum Beispiel Rapsfelder, führen zu einseitiger Nahrungsaufnahme und wirken sich ebenfalls schädlich aus, zumal die Pflanzen stark schadstoffbelastet sind. Bei der Bestäubung von Obstplantagen sind Bienen unersetzlich, lange Transporte zu diesen Anlagen bringen aber auch Stress mit sich. Im Allgemeinen leben Sommerbienen, die viel arbeiten müssen, ungefähr drei Wochen, Winterbienen maximal acht Monate.
Wenn Sie sich dafür interessieren, (Hobby-)Imker zu werden, können Sie dazu beitragen, dass uns die Bienen weiterhin erhalten bleiben. Imker kann jeder von uns werden. Es ist eine interessante Beschäftigung, man ist viel draußen und immer in Bewegung. Jedes Jahr ist anders, und man erfährt mehr über die Zusammenhänge zwischen Mensch, Natur und Insekten.

www.siegtalhonig.de

Text: Drahomira Hampl I Fotos: Jiri Hampl

 

 

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