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IHR LANDSTYLE MAGAZIN

Wenn man findet, was man liebt

 

Vor Kurzem habe ich mich daran erinnert, wie mich meine Mama in der ersten Klasse von der Grundschule abgeholt hat und ich ihr erzählt habe, dass ich zum Tanz- und Gesangsunterricht möchte. Daraufhin ging ich für viele Jahre zum Ballett, später zum Theater, bis ich über Umwege zum Film gefunden habe. Mit ungefähr 13 Jahren wusste ich, dass ich Regisseurin werden möchte, doch erst heute, mit 26, weiß ich, was ich wirklich will, und fühle mich, als würde mein Leben erst richtig anfangen.

An meine Jugend denke ich ungern zurück, auch wenn sie die wahrscheinlich kreativste Phase war. Doch sie war sehr geprägt von der Frage nach dem Sinn des Lebens. Lange habe ich nicht verstanden, warum wir morgens aufstehen und abends schlafen gehen, wenn wir doch sowieso irgendwann sterben. Obwohl ich schon früh gefunden habe, was mir Spaß macht und klar war, in welche Richtung ich gehen möchte, habe ich immer wieder an meinem Traum gezweifelt. Filmemachen dauert, Filmemachen ist stressig, Filmemachen kostet Geld und Filmemachen geht nicht alleine. Ich habe mich oft überfordert gefühlt, mir hat der Antrieb für die Realisierung von Kurzfilmen gefehlt. Als vor zwei Jahren mein Filmstudium anfing, dachte ich: „Na endlich, jetzt geht’s los. Janika wird Filmemacherin“. Das erste Jahr verging und ich musste lernen, dass man, nur weil man Film studiert, nicht automatisch Filme macht. Auch hier braucht es viel Eigeninitiative. Trotz vieler Zweifel habe ich es geschafft, ein Drehbuch zu Ende zu schreiben und es zusammen mit Studienkollegen zu verfilmen. Doch selbst während des Prozesses kamen immer wieder Bedenken, ob es wirklich das Richtige für mich ist und ich nicht lieber als Editorin arbeiten sollte. Und dann war es soweit, der erste Drehtag, der zweite … und für mich stand hundertprozentig fest: Ich will nur noch eins in meinem Leben: Filme machen!

13 Jahre habe ich gebraucht, um dieses Erfolgserlebnis zu feiern. Als hätte ich 13 Jahre lang für einen Marathon in Bestzeit geübt und ihn endlich geschafft. Es ist wie ein Adrenalinkick, der mir zeigt: Wenn du willst, kannst du alles schaffen. Ich habe mich selten so lebendig und entschlossen gefühlt. Es ist, als würde auf einmal alles Sinn ergeben und als würden alle Erfahrungen und Bemühungen zusammenfinden. Ich glaube, mein Weg wird erst jetzt richtig spannend. Ich fühle mich erfüllt und keiner kann mir nehmen, was ich mir erarbeitet habe.

Ich weiß nicht, ob es stimmt, aber ich bin überzeugt, dass jeder von uns Träume hat. Leider belassen es viele beim Träumen. Dabei können wir uns unseren eigenen Wert nur selbst geben, indem wir tun, was wir lieben. Ich glaube, jeder von uns hat tief im Inneren eine Leidenschaft, die uns zufrieden und vollkommen macht, selbst dann, wenn das Konto im Minus ist und der Valentinstag allein verbracht wird. Die Kunst ist Fluch und Segen zugleich und oft von Leid und Zweifeln geprägt. Träume können sich so weit weg anfühlen und uns Angst machen. Ich fände es schön, wenn sich mehr Menschen ihren Wünschen widmen und sie sich erfüllen würden. Wer weiß, vielleicht wäre die Welt ein besserer Ort, würden Menschen tatsächlich mehr auf sich schauen und ihrer Passion nachgehen. Leider ist es so schwierig in unserer Gesellschaft, seinen wahren Bedürfnissen nachzugehen. Es ist ein Risiko, bei der die Sicherheit aufs Spiel gesetzt wird. Aber ich bin mir sicher, wer fest daran glaubt und arbeitet, kann es schaffen und wird immer mutiger und selbstsicherer. Ich werde bestimmt noch oft zweifeln und das Filmemachen verfluchen. Vielleicht werde ich es auch nicht schaffen. Doch solange ich mein Ziel weiterverfolge, sind die Zweifel weniger ein Hindernis als vielmehr ein Teil meines Weges.

von Janika Hampl

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